85. Jahrestagung der Bayerischen Chirurgen

85. Jahrestagung der Bayerischen Chirurgen am 24.07.2009 in Augsburg. Abstract zum Vortrag von Dr. med. Christian Deindl (MBA):

Qualitätsmanagement, Qualitätssicherung und Zertifizierung als Kernkompetenzen in der (kinder-) chirurgischen Praxis

Im Hippokratischen Eid (ca. 450 v. Chr.) wurde für Ärzte erstmals medizinische Qualität als ethische Verpflichtung festgelegt. Freiberuflichkeit, volle berufliche Profession und Standesethik zur internen Kontrolle bestimmten lange das Bild des selbstständigen Arztes. Gesellschaftlicher und sozialer Wandel änderten das Arztbild in Richtung medizinische Dienstleistung mit hohen Ansprüchen an die ärztliche Qualität bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit. Diese Tatsache sowie zunehmende Finanzierungsprobleme der sozialen Sicherungssysteme führen zu einem ständigen Autonomieverlust der Ärzteschaft und zu einer wachsenden Verbürokratisierung der Medizin. Trotz dieser Entprofessionalisierung des Arztberufes erwarten Politik und Gesellschaft einen Kompetenzmix bestehend aus Facharztstandard, medizinischem Expertenwissen sowie Kommunikations- und Methodenkompetenz. Drastische Veränderungen bei der Finanzierung des Gesundheitswesens mit Problemen auf der Einnahmeseite führen wiederum zu Restriktionen auf der Ausgabenseite. In diesem Zusammenhang werden immer neuere Wettbewerbselemente für viele der medizinische Leistungserbringer implementiert. Gerade für hochsensible Bereiche wie Ambulantes Operieren bedeutet dies oft eine Re-, wenn nicht gar Neustrukturierung der Praxisabläufe. Der niedergelassenen (Kinder-)Chirurg muss sich zeitnah mit aktuellen gesundheitspolitischen Zielsetzungen auseinandersetzen ohne dabei die eigenen ärztlichen und unternehmerischen Belange aus dem Auge zu verlieren. Im Vordergrund steht die Erhöhung der Leistungsfähigkeit von medizinischen Einrichtungen, ihrer Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit, um durch weitere Rationalisierungsmassnahmen eine bestmögliche Ausschöpfung von Ressourcen (-reserven) zu erreichen. Deshalb bedarf es neben fachlicher Expertise auch ökonomischer Kenntnisse, um erfolgreich Quantität und Qualität sämtlicher Praxisprozesse zu erfassen, zu steuern, zu kontrollieren und durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu optimieren. Diese Vorgehensweise geht weit über das bisherige klassische Controlling hinaus.

Bereits 1980 wurde von Donabedian ein 3-Dimensionenmodell für die hoch spezialisierte medizinische Dienstleistung aufgestellt, das bis heute Gültigkeit besitzt. Als Kernbereiche für Qualität in der Medizin werden Potenziale, Prozesse und Ergebnisse genannt. Für deren Umsetzung eignen sich die Instrumente Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. Als Qualitätssignal und freiwillige Verpflichtung zur Transparenz und kontinuierlichen Einhaltung aller Qualitätsstandards dient wiederum die Zertifizierung einer Praxis.