Sehr geehrte Patienteneltern

Nach über 30 Berufsjahren und davon über 20 Jahren in meiner Nürnberger Praxisklinik sehe ich mich erstmals in eigener Sache gezwungen, die im Folgenden aufgeführten Hinweise an dieser Stelle zu veröffentlichen und auf deren Einhaltung zu bestehen.

Der Grund dafür liegt in den zunehmenden negativen Erfahrungen, die meinem Praxisteam und mir in den vergangenen Monaten widerfahren sind und die beabsichtigt das bisher von gegenseitigem Respekt getragene Praxisklima nachhaltig stören wenn nicht bewusst zerstören sollen.
Es dürfte unstrittig sein, dass unsere gesamte gesellschaftliche Kultur des Zusammenlebens sich verändert hat und diese nicht immer positive Entwicklung auch vor Arztpraxen und Krankenhäusern nicht Halt macht.

Die dafür verantwortlichen Personen scheinen vergessen oder erst gar nicht gelernt zu haben, dass niemand sich ohne Grund in ärztliche Behandlung begibt und dies in einer Atmosphäre der Geborgenheit und Sicherheit wünscht und auch erwarten darf.
Diese Vertrauensbasis ist ein wichtiger Bestandteil unseres deutschen solidarischen Gesundheitssystems und darf auf keinen Fall und unter keinen Umständen angetastet werden.
Darüber hinaus arbeiten Kliniken und Praxen oft bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit und stehen für Notfälle stets zur Verfügung.
Da ist es nicht immer vermeidbar, dass lange Wartezeiten entstehen.
Und dafür wiederum sind Ärzte, Pflegende und medizinische Fachberufe auf das Verständnis aller Beteiligten angewiesen. Auch wenn dies nicht immer leicht fällt.

Versorgungsengpässe sind in den allermeisten Fällen die Folge gesundheitspolitischer Entscheidungen, die qualifiziertes ärztliches und nichtärztliches Personal knapp werden lassen.
Man nehme nur das aktuelle Bespiel der Hebammen.

Da allerdings in einem inakzeptablen hohen Ausmaß die im internationalen Vergleich qualitativ hochwertige medizinische Versorgung in Deutschland zunehmend als billige, rund um die Uhr zur Verfügung stehende Massenkonsumware herabgewürdigt wird, sind Konflikte geradezu vorprogrammiert. Klinik und spezialisierte Facharztpraxen sind dafür nicht der geeignete Ort und schon gar nicht sonstigen Dienstleistern wie aus der Billigst-Fastfood- Branche gleichzusetzen.
Qualität braucht ihre Zeit und dies gilt in der Medizin im gleichen Maße wie in der Flugsicherheit.

Die Kenntnisnahme folgender Textabschnitte soll dabei behilflich sein, gegenseitiges Verständnis zu wecken und späteren Missverständnissen bereits im Vorfeld vorzubeugen:
1. Terminvereinbarungen:
Bitte rufen Sie uns dafür an oder suchen Sie dafür unsere Praxis auf, aber bitte zu den angegebenen Sprechstundenzeiten. Diese Einschränkung gilt nicht für Notfälle.

2. Gemeinsame Sprache:
Bereits für die Terminvereinbarung und erst recht für eine vernünftige und sichere Behandlung ist es weltweit unumgänglich, dass Patienten und Arzt sich sprachlich verständigen können.
Wenn dies nicht möglich ist, dürfen Sie sich der Hilfe eines ausreichend qualifizierten Dolmetschers bedienen. Dieser untersteht der absoluten Schweigepflicht und muss sich dieser Pflicht und Verantwortung gerade im Zusammenhang der aktuellen Datenschutzverordnung auch ausreichend bewusst sein.

3. Praxisregeln:
Jedes Unternehmen und jede Einrichtung müssen für einen geordneten Ablauf ihrer Tätigkeiten bestimmte Regeln vorgeben. Bei uns zählen dazu das Ausschalten von Handys und das Unterlassen von Essen in Praxis. Praxen sind nun mal keine Imbissstube oder Internetcafé.
Ferner sind wir es überdrüssig, in immer kürzeren Abständen hartnäckige Kaugummireste von den Stühlen im Wartebereich aber auch in den Sprechzimmern selbst mühsam entfernen zu müssen.

4. Gegenseitiger Respekt:
Was unsere Praxis auszeichnet ist der ausnahmslose respektvolle Umgang mit allen unseren Patienten und deren Eltern und Angehörigen. Nur beruht ein gedeihliches Miteinander in einem gegenseitig gleichwertigen Umgang. Und hier erkennen wir eine zunehmende Asymmetrie zu unseren Ungunsten und als nicht mehr hinnehmbaren Störfaktor unseres Praxisablaufes.
Einige wesentliche Punkte wurden bereits angesprochen.

Des Weiteren sind lautes, aggressives Verhalten sowie beleidigende Wortwahl absolut unerwünscht und inakzeptabel.
Wer prinzipiell Probleme damit hat, mit Frauen einen höflichen Umgangston zu pflegen und dabei immer noch nicht bemerkt zu haben, dass gerade in Praxen vorwiegend Frauen als Medizinische Fachangestellte tätig sind, sollte seine Gewohnheiten bereits vor Betreten meiner Praxen ablegen. Oder aber sich um eine ihm genehme ähnlich niveauvolle Alternative umsehen.
Wer grundsätzlich ein Problem mit seinem Aggressionspotential hat und bewusst Gewalt in Wort und Tat als probates Mittel zur Durchsetzung seiner Interessen ansieht, ist ebenso in meiner Praxis unerwünscht.
Auch wenn seit geraumer Zeit Politik, Krankenkassen und Medien kaum eine Gelegenheit auslassen, Ärzte öffentlich zu diskriminieren und ihre Arbeit zu diffamieren, so ist dies noch lange kein Freifahrtschein dafür, dieses beleidigende Verhalten in unsere Praxen hereinzutragen und darüber hinaus noch mit Gewaltandrohung bzw. -ausübung zu toppen.

Erschwerend kommt hinzu, dass diese Bedrohung auch allen anderen Anwesenden gilt und somit auch Kindern. Ein solches Verhalten ist gemeingefährlich, in hohem Maße asozial und mit allen juristischen und politischen Mitteln zu bekämpfen.
Mögen andere über ihre ähnlichen Erfahrungen öffentlich schweigen, ich mache dieses Problem hiermit öffentlich und hoffe damit, Schlimmeres zu verhüten.
Ein aktueller Fall wurde von mir bereits an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
5. Praxisbesuch ist kein Zoobesuch:
Selbstverständlich benötigen Kinder eine oder zwei Begleitpersonen bei einem Arztbesuch. Aber eben nicht ein Mehrfaches davon. Wir weisen immer wieder darauf hin und dennoch setzen sich immer wieder Praxisbesucher darüber hinweg. Dies ist allgemein störend und zudem eine Missachtung anderer Patienten, zumal wenn solche Geschehnisse mit einem entsprechend hohen Geräuschspiegel verbunden sind.
Selten, aber eben nicht ausgeschlossen, ist das Mitbringen von Hunden in die Praxis. Noch dazu heimlich, bis eben ein Bellen zu vernehmen ist. Ich erspare mir hier ellenlange hygienische und versicherungstechnische Ausführungen und sage ein einfaches und deutliches NEIN!

6. Eingriffe ohne ausreichende medizinische Begründung:
Dieser Punkt betrifft hauptsächlich angefragte und eingeforderte Eingriffe aus kulturellen Gründen wie z. B. Beschneidungen ohne die dafür nötige ausreichende medizinische Begründung. Dafür steht meine Praxis nicht zur Verfügung und ich bitte darum, dies hiermit bereits im Vorfeld zur Kenntnis zu nehmen und diese Entscheidung zu respektieren.

Es ist nicht Inhalt meiner kassenärztlichen Tätigkeit, bei Fehlen einer begründeten ärztlichen Überweisung diesen Umstand immer wieder zeitaufwändig zu erklären und zum Lohn dafür mich im Internet unflätig beschimpfen zu lassen.
Wer im Nachhinein genug Zeit findet, seiner Enttäuschung in den sozialen Medien Ausdruck zu verleihen, der hätte besser bereits im Vorfeld sich mit den Praxisgegebenheiten vertraut gemacht.
Wie so oft gibt es dafür einen sogenannten speziellen sekundären Gesundheitsmarkt.

7. Praxissprechzeiten:
Seit einigen Monaten fordert der Bundesgesundheitsminister von niedergelassenen Kassenärzten 25 Stunden pro Woche an Sprechzeiten. Bedauerlicherweise habe ich im Vorfeld dieser weisen politischen Entscheidung über 20 Jahre mindestens das doppelte Wochenpensum meine Praxis offen gehabt und nicht selten darüber hinaus. Abendliche Notfallpatienten werden dies bestätigen.
Natürlich möchte ich mich nicht der ministeriellen Anordnung länger widersetzen und werde meine Sprechzeiten Herrn Spahns Vorstellungen anpassen. Darunter fällt auch meine bisherige Samstagssprechstunde.

8. Ihre Kasse macht auf meine Kosten richtig Kasse:
Als wären die aufgeführten Probleme nicht bereits genug, überziehen gesetzliche Krankenkassen mit ausdrücklicher und besonderer Unterstützung durch die verantwortliche Gesundheitspolitik niedergelassene Ärzte mit sogenannten Regressen. Dies bedeutet, Ihr Arzt muss ohne Ihr Wissen bis zu vier Jahre rückwirkend von ihm für Sie und Ihre Genesung verordnete Hilfs- und Heilmittel oder Medikamente persönlich zurückzahlen.
Ihnen gegenüber hält Ihre Krankenkasse den Eindruck aufrecht, alles für Sie zu bezahlen.
Dieser Schein trügt und lügt.
Gerade in meiner Praxisklinik häuft sich dieses Patienten und Arzt feindliche Verhalten der Kassen, so dass ich meine durchgeführte Behandlung noch selbst bezahlen muss. Bei den betroffenen Fällen handelt es sich oft um Problemwunden nach vorausgegangener externer Behandlung.
Man kann und sollte eigentlich von Glück sprechen, dass es ein modernes wirkungsvolles Wundmanagement gibt, das einen positiven Heilungsverlauf ohne operative Maßnahmen ermöglicht. Pech eben nur für den erfolgreichen Arzt, dass dies von der Kasse völlig anders gesehen und bewertet wird.
Ich hätte eben nur ausreichende, nicht aber die bestmöglichen Materialien verwenden dürfen. Andere positive Aspekte wie der dadurch erst ermöglichte Verzicht auf Antibiotika oder ein deutlich schnellerer Heilungsverlauf werden einfach unter den Teppich gekehrt.